×
qtec Group | Interview mit Detlef Rübesam

Interview mit Detlef Rübesame

Entwicklung und Förderung von Führungskräften

Detlef Rübesame hat sich nach seiner zertifizierten Ausbildung zum Business Coach 2022 selbstständig gemacht. Seitdem unterstützt er zum einen Führungskräfte bei der Entwicklung ihrer beruflichen, persönlichen und sozialen Kompetenzen. Zum anderen begleitet er Teams bei der Konfliktlösung und befähigt die Teammitglieder, gemeinsam die Herausforderungen unserer komplexen Arbeitswelt zu meistern.

Zuvor arbeitete er 20 Jahre lang als Führungskraft in unterschiedlich großen Unternehmen auf allen Führungsebenen, davon 11 Jahre lang für Olympus Surgical Technologies Europe. Er war unter anderem verantwortlich für den Aufbau und die Leitung von Experten- und Führungsteams und war Mentor für Führungskräfte.

"Meine Motivation und mein Ziel sind es, dich mit Verstand, Herz und Humor zu befähigen, durch die Aktivierung deiner eigenen Ressourcen dein Potenzial zu entfalten."

Detlef Rübesame, Business Coach

qtec-group-icon-frage

Frage

Du hast dich der Entwicklung und Förderung von Führungskräften und deren Führungskompetenzen verschrieben. Welche Illusion über sich selbst verlieren die meisten Führungskräfte in Ihren Sitzungen mit dir zuerst?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Viele Führungskräfte glauben, dass es ihr Job sei, alles im Griff zu haben: Zahlen, Prozesse und ihre Mitarbeitenden. Im Coaching bekommen sie dann die Erkenntnisse, dass sie erstens viel weniger kontrollieren können, als sie denken. Und zweitens, dass das kein Mangel in Bezug auf ihre Führungskompetenzen darstellt.

Gerade Führungskräfte aus technischen Bereichen müssen lernen und können das auch, dass das technische Kausalitätsprinzip (aus A folgt B) im Umgang mit Menschen nicht funktioniert. Führen bedeutet, auf ein zirkuläres System Einfluss zu nehmen. Zu erleben, dass meine eigene Reaktion, meine Klarheit, meine Präsenz mein Team in seiner Verhaltensweise beeinflusst. In welcher Weise liegt eben nicht direkt in meiner „Macht“. Und das ist ein Unterschied, der ganze Führungsbiografien verändert.

qtec-group-icon-frage

Frage

Gab es eine Führungskraft in deinem eigenen Leben, die dich geprägt hat?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Ja!

Während meiner Zeit bei Olympus bekam ich eines Tages einen neuen Vorgesetzten. Am Anfang tat ich mich mit ihm sehr schwer und fragte mich, ob ich das hier noch lange mitmachen werde. Doch dann bemerkte ich, wie sich sein Führungsverhalten positiv auf mich, meine intrinsische Motivation, meine Begeisterung für meine Aufgabe, meinen Einsatz und letztlich auf meine Lebensfreude auswirkte. Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, was er anders machte als alle Führungskräfte die ich vorher kennengelernt hatte. Ich fand zwar immer noch nicht alles gut von ihm, aber vieles. Und darin wurde er mein Vorbild.

Kommt dir bekannt vor?

Dann lass uns drüber sprechen. In meinen Workshops erarbeite ich mit dir deine Potentiale in der Führung von deinem Unternehmen.

qtec-group-icon-frage

Frage

Du sprichst von intrinsischer Motivation: Wie können Führungskräfte diese bei ihren Mitarbeitenden fördern?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Meine Antwort mag irritierend wirken: gar nicht!

Andererseits kann die jedem Menschen innewohnende intrinsische Motivation sehr leicht „kaputt“ gemacht werden. Das nicht zu tun, ist aus meiner Sicht die wichtige Aufgabe der Führungskraft. Die größten Stellhebel dafür sind: echten Gestaltungsspielraum zu geben, Entwicklung zu ermöglichen und ein Klima zu schaffen, in dem sich Mitarbeitende als Teil eines sinnvollen Ganzen erleben.

Ich höre immer mal wieder: meine Mitarbeitenden sind nicht motiviert. Dann gebe ich der Führungskraft die Aufgabe sich zu überlegen, wodurch diese Menschen veranlasst waren, sich zurückzunehmen. Die Antworten können der Führungskraft ungemein helfen.

qtec-group-icon-frage

Frage

Welche Fähigkeiten zeichnen aus deiner Sicht gute Führungskräfte aus?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Die Basis ist für mich die Selbstreflexion. Wer seine eigenen Muster, Trigger und blinden Flecken versteht, führt bewusster statt reaktiv und wird für seine Mitarbeitenden berechenbarer und vertrauenswürdiger.

Dann kommen die klassischen Kompetenzen dazu wie „wirklich“ zuzuhören, auf Augenhöhe zu kommunizieren, Fragen stellen zu können und die Antworten nicht nur auszuhalten, sondern auch anzunehmen. Hinzu kommt eine permanente, offene Lernbereitschaft.

Und mit Blick auf die Zukunft wird aus meiner Sicht eine hohe Ambiguitätstoleranz immer wichtiger. Also die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten und trotzdem ehrlich und klar zu kommunizieren, auch wenn nicht alle Antworten vorliegen.

qtec-group-icon-frage

Frage

Wie kann es Führungskräften gelingen, Vertrauen und Sicherheit in Zeiten permanenter Veränderung zu vermitteln?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Besonders in volatilen Zeiten entstehen Vertrauen und das Gefühl von Sicherheit jedenfalls nicht durch das Versprechen von Stabilität im Sinne von „es soll so bleiben wie es ist“. Sie entstehen viel glaubwürdiger durch eine gelebte Verlässlichkeit im Umgang mit Instabilität im Sinne von permanenter Veränderung. Zum Beispiel durch eine transparente Kommunikation, durch ein konsistentes Verhalten und durch eine echte Präsenz der Führungskraft.

Zusätzlich ist es hilfreich, wenn die Führungskraft zuversichtlich in die Zukunft schaut. Viele Menschen glauben das nicht, aber seine eigene Zuversicht kann man stärken und eine zuversichtliche Haltung lässt sich trainieren!

qtec-group-icon-frage

Frage

Hast du konkrete Tipps für Führungskräfte, die ihre persönlichen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen gezielt weiterentwickeln möchten?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Zwei Aspekte möchte ich mitgeben.

Erstens: Bleiben offen, lasse dich von deinen Mitarbeitenden überraschen. Hinterfrage immer wieder deine eigene Meinung und Perspektive. Und übe dich in der Trennung Ihrer Wahrnehmung von deiner persönlichen Bewertung. Frage stattdessen dein Gegenüber nach seinen Gründen.

Zweitens: Nutze jede Gelegenheit zu lernen. Hole dir regelmäßig Feedback von Mitarbeitenden, auch unbequemes. Tausche dich mit Führungskollegen aus; Netzwerke! Nimm an Fortbildungen teil und gönne dir ein Coaching.

qtec-group-icon-frage

Frage

Die aktuellen Umbrüche - Arbeitswelt, Generationenwechsel, Technologie – wirken sich auch auf die Führung aus. Viele Unternehmen sprechen von „New Leadership“. Was bedeutet moderne Führung für dich ganz persönlich?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Für mich ist moderne Führung kein Methodenkoffer, sondern eine Frage meiner inneren Haltung und meines Verhaltens.

Es geht darum, die Mitarbeitenden zu befähigen, ihr eigenes Potenzial zu entfalten. Das ist möglich mit Empathie in meinem Umgang und mit Klarheit in meinem Verhalten. Und hierzu gehört der schwierige Balanceakt, einerseits die Interessen des Unternehmens zu vertreten und gleichzeitig auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu achten. Also beispielsweise die vorhin angesprochene intrinsische Motivation nicht zu beschädigen.

qtec-group-icon-frage

Frage

Du hast Empathie erwähnt. Wie wichtig wird emotionale Intelligenz in der Führung von morgen – gerade im technisch geprägten Umfeld der Medizintechnik?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Emotionale Intelligenz ist für mich der Kern moderner Führung. Fachwissen wird heute vorausgesetzt. Den Unterschied macht, ob eine Führungskraft wirklich zuhören kann, Stimmungen im Team wahrnimmt und angemessen reagiert. Wer die eigenen Emotionen kennt und reguliert, führt bewusster. Wer die Emotionen anderer erkennt, schafft Vertrauen, erkennt Belastung frühzeitig und verhindert, dass sich Konflikte unbemerkt aufstauen. Gerade in komplexen, technischen und stark regulierten Umfeldern ist emotionale Intelligenz kein Nice-to-have, sondern die Grundlage dafür, dass Menschen sich sicher genug fühlen, um Leistung zu bringen, offen zu sprechen und gemeinsam zu wachsen.
qtec-group-icon-frage

Frage

Dein zweites Standbein ist die Entwicklung und Förderung von Teams. Was macht aus deiner Sicht heute ein wirklich starkes Team aus?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Für mich zeigt sich ein starkes Team vor allem dadurch, dass alle Teammitglieder eine psychologische Sicherheit spüren. Also die Gewissheit, Fehler, Zweifel oder unfertige Ideen offen ansprechen zu können, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben.

Des Weiteren lebt ein starkes Team echte Verbindlichkeit: Menschen übernehmen Verantwortung füreinander, nicht nur für die eigene Aufgabe. Und ein starkes Team hat eine klare gemeinsame Ausrichtung, an der sich individuelle Entscheidungen orientieren können.

Zu allen Punkten kann die Führungskraft beitragen.

qtec-group-icon-frage

Frage

Die Teams erleben einen Arbeitsalltag mit steigender Komplexität, Tempo und Unsicherheit. Welche Rolle spielt dabei Resilienz?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Es gibt ja verschiedene Formen von Resilienz. Viele verstehen darunter den „Fels in der Brandung“ im Sinne von Stabilität. Ich finde den Begriff der Metastabilität passender. Dazu vielleicht diese Metapher, die zur Brandung passt: ein Surfer, der lange und sicher eine Welle surft, scheint auf seinem Brett stabil zu stehen. In Wirklichkeit ist er ständig in Bewegung. Er reagiert auf alle äußeren Einflüsse und ständigen Veränderungen der Umgebung mit permanenten Anpassungen und Ausgleichsbewegungen. Dabei verändert sich gegebenenfalls sogar seine Fahrtrichtung. Und gerade deswegen erreicht er sein Ziel.

Diese Form der Resilienz befähigt mich auch, mich nach einem Rückschlag (Sturz ins Wasser) wieder aufzurichten und daraus zu lernen (die nächste Welle besser zu surfen). Insofern ist Resilienz für mich eine zentrale Ressource, um handlungsfähig zu bleiben, ohne die eigene Gesundheit zu opfern.

qtec-group-icon-frage

Frage

Du sprichst von permanenten Veränderungen. Welche Fähigkeiten helfen Mitarbeitenden dabei, Veränderungen nicht als Bedrohung, sondern als Chance wahrzunehmen?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Zunächst einmal ist es hilfreich, sich möglichst vorurteilsfrei und offen die Ziele der Veränderung anzuschauen. Je besser mir das gelingt, umso eher wird meine sachliche Kritik als förderlich für eine Anpassung des Veränderungsweges angesehen. Und es fällt mir leichter, im Wandel meine eigenen Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen.

Zusätzlich hilft mir die aus der Erfahrung gebildete Überzeugung, selbstwirksam sein zu können. Also das Vertrauen darauf, eine neue Situation aktiv gestalten zu können, statt ihr ausgeliefert zu sein.

Last but not least: wenn ich lerne, Unsicherheit als normalen Teil von Wachstum zu akzeptieren, begegne ich Veränderungen viel gelassener – das sehe ich in meiner Coachingarbeit immer wieder.

Sichere dir dein persönliches Coaching

Deine Führungskompetenzen werden entwickelt und gefördert. Dadurch agierst du in deiner Rolle und Verantwortung souverän und sicher.

qtec-group-icon-frage

Frage

Welche Rolle spielt Konfliktfähigkeit in modernen Unternehmen – und wird sie künftig noch wichtiger?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Ja, ich bin davon überzeugt, dass Konfliktfähigkeit noch wichtiger wird. Zum einen erzeugt mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit automatisch mehr Reibung. Zum anderen sinkt bedauerlicherweise die Bereitschaft, sich mit anderen Meinungen inhaltlich und konstruktiv auseinanderzusetzen. Dabei liegt darin eine Riesenchance. Gut geführte Konflikte sind oft der Ursprung besserer Lösungen. Wer Konflikte unter den Teppich kehrt, riskiert, dass sie später umso heftiger ausbrechen.
qtec-group-icon-frage

Frage

Welche Kommunikationsfähigkeiten werden in hybriden und internationalen Teams immer wichtiger?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Analog zur Produktspezifikation und -prüfung muss der Gesamtprozess im Software-Lebenszyklus in dessen Bestandteilen rückverfolgbar sein. So sollte jedes Arbeitsprodukt zumindest einer Basispraktik – als Input oder Output – zuordenbar sein. Bei einer Einreichung oder beim Audit ist dies genau der Trail, der von der Assessor:in durchgegangen und bewertet wird. Mittels der konsequenten Umsetzung des PRM ist sichergestellt, dass Pläne, Listen, Spezifikationen, Reports und Aufzeichnungen um die Prozesslandschaft herum korrekt und vollständig platziert sind.
qtec-group-icon-frage

Frage

Welche Soft Skills helfen dabei, Innovation und gleichzeitig regulatorische Anforderungen in Einklang zu bringen?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Ich begreife Innovation und Regulatorik nicht als Gegensatz, sondern als zwei Seiten derselben Medaille. Gute Ideen brauchen in regulierten Branchen wie z. B. der Medizintechnik zwar einen strukturierten Weg. Gleichzeitig sollten alle bekannten Kreativtechniken Anwendung finden.

Um zwischen den kreativen und den regulatorischen Aspekten zu vermitteln, bedarf es dann starker kommunikativer Kompetenzen und gegenseitigem Verständnis.

qtec-group-icon-frage

Frage

Mit Blick auf die Zukunft: Was glaubst du, welche menschliche Fähigkeit wird trotz aller technologischen Entwicklungen niemals ersetzbar sein?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Da sehe ich tatsächlich einige Felder. Für mich ganz vorne sind echte menschliche Verbindungen mit echten und nicht simulierten Gefühlen. Die meisten Menschen werden immer ein Gespür dafür haben, echt und unecht zu unterscheiden.

Hinzu kommen die Themen Werte, ethische Verantwortung und moralische Entscheidungen. Zumindest so, wie die KI-Algorithmen heute funktionieren, haben sie dort Grenzen.

qtec-group-icon-frage

Frage

Zum Schluss noch diese Frage: was soll bei einem Klienten oder einem Team hängen bleiben, wenn er oder sie sich an nicht mehr als ein einziges Wort aus deinem Workshop erinnert?
qtec-group-icon-antwort

Antwort

Perspektivwechsel.

Unser Newsletter „qonzentrat“

kompakt, professionell und präzise

Profitiere von unserem Fachwissen.

Jetzt anmelden